Bei der Stadt kocht jede Kita selbst …

Wiesbadener Kurier, 03.06.2014

– Auch Awo legt Wert auf Frisches, hat aber weniger Möglichkeiten

Von Manfred Gerber

WIESBADEN – „Zu viel Fleisch, zu wenig Obst und Gemüse“ für Kita-Kinder, was eine Studie der Bertelsmann Stiftung ermittelt hat, scheint nicht unbedingt auf die 200 Wiesbadener Kindertagesstätten zuzutreffen.
Einzelmitgliedschaft
Zumindest nicht auf die 36 städtischen, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) seit Jahren „mit sehr guten Ergebnissen zertifiziert“ worden sind, so der Leiter des Amtes für Soziale Arbeit, Franz Betz.

Kinder helfen Tisch decken

Bei der Stadt hat jede Kita eine Küche mit eigenem Fachpersonal. Dass die städtischen Kitas über keine Speiseräume verfügen, wie die Bertelsmann Stiftung grundsätzlich bemängelt, hält Betz für „voll in Ordnung“. Gegessen wird in den Gruppenräumen. Die Kinder helfen dort beim Tisch decken und gestalten so das gemeinsame Mahl aktiv mit.

Durchschnittlich zahlen Eltern laut Bertelsmann Stiftung 2,40 Euro für ein Mittagessen der Kinder, dabei reicht die Palette von 75 Cent bis zu sechs Euro. Dieser elterliche Beitrag wird in den Wiesbadener Kitas höchst unterschiedlich gehandhabt. Neben 34 evangelischen und 25 katholischen Kitas gibt es noch 57 unter der Obhut von Elterninitiativen.

Differenz zahlt Stadt

Bei städtischen Kindergärten sind die Eltern mit 35 Euro pro Kind und Monat dabei, das wären also knapp zwei Euro pro Essen. Die Differenz zu den rund 100 Euro, die es im Monat kostet, zahlt die Stadt. Mit dieser Summe lasse sich ernährungstechnisch ausgewogen kochen, sagt Betz.
Dasselbe gilt für die acht Kindertagesstätten der Arbeiterwohlfahrt, wo eine Ernährungswissenschaftlerin ein Auge auf die Küchenrezepte wirft.

Allerdings hat die Awo nicht die Möglichkeiten wie die Stadt. Bei ihr wird zentral für sämtliche Kitas und Altenheime im Robert-Krekel-Haus gekocht. Von dort werden die Essen in die einzelnen Einrichtungen ausgeliefert. Anders als bei der Stadt muss die Awo mit den drei Euro pro Tag und Kind kostendeckend wirtschaften. Deshalb räumt Awo-Geschäftsführerin Hannelore Richter auch ein: „Mit mehr Geld könnte man mehr machen.“ Aber dreimal in der Woche gibt es frisches Obst oder frische Salate. Dass zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse verabreicht wird, sei bei der Awo nicht der Fall.

Kita-Gesetz gefordert

Die Bertelsmann Stiftung hat für ihre bundesweit repräsentative Studie 1.082 Kitas aus allen Bundesländern zu ihrem Verpflegungsangebot gefragt. Grundsätzlich hängt demnach die Qualität des Essens von den Zuschüssen der jeweiligen Träger ab. Wegen der in der Studie aufgefundenen Mängel fordert der Vorstand der Stiftung Jörg Dräger bundesweit verbindliche Qualitätsstandards und ein Bundes-Kitagesetz, das diese Standards garantiert.

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