60 Jahre Zonta-Club Wiesbaden – Festakt im Rathaus

Einzelmitgliedschaft

Dr. Ingrid Dreher (Mitte) überreicht einen 10 000-Euro-Scheck an die stellvertretende
Awo-Geschäftsführerin Beatrice Remmert (links) und Frauenhaus-Leiterin Alexandra Dumitrescu.

Von Angelika Eder

WIESBADEN – (red). Geballte Frauenpower im Rathaus: Dort feierten rund 150 „Zontians“ und Gäste aus 30 Clubs – darunter einige wenige männliche Begleiter – das 60-jährige Bestehen des Zonta-Clubs Wiesbaden. Der Festakt verdeutlichte die Zielsetzungen der internationalen Serviceorganisation von berufstätigen Frauen mit „ethischen Grundsätzen wie ehrenhaftes Handeln, Glaubwürdigkeit und Integrität“, wie Präsidentin Dr. Ingrid Dreher die Zontians beschrieb: Diese haben sich den Einsatz für die Rechte der Frau auf die Fahne geschrieben, und sie leisten entsprechende karitative Arbeit. Demgemäß wurde im Festsaal eine 10 000-Euro-Spende der 40 Wiesbadener Clubmitglieder zugunsten des Awo- Frauenhauses „Nurdan Eker” überreicht, wo es für die Traumatherapie der kleinen Opfer verwendet werden soll.

Bei der Entgegennahme des Schecks betonte Beatrice Remmert, stellvertretende Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, dass die Awo genau wie Zonta 1919 ins Leben gerufen worden sei und deren Gründerin, die Sozialdemokratin Marie Juchacz, die gleichen Zielen wie der internationale Club verfolgt habe.

„Gewalt gegen Frauen und Kinder” war ein Schwerpunktthema der Festrednerin Karin Nordmeyer, Vorsitzende des Nationalen Komitees Deutschland von UN-Women sowie Delegierte beim Europarat für Zonta International. Anhand erschreckender Zahlen verdeutlichte sie in ihrem Vortrag über „Die Rolle der Frau im Wandel der jüngst vergangenen Jahrzehnte“, welcher Handlungsbedarf im Kampf gegen diese Menschenrechtsverletzung besteht, die niemals ein privates Kavaliersdelikt sein könne – „weder im öffentlichen Raum durch fremde Täter noch im privaten Raum durch familiennahe Täter”.

Ein entscheidender Schritt zur Verhütung und Bekämpfung sei mit dem Übereinkommen des Europarats gelungen, mit der „Istanbul-Konvention”, die am 1. August 2014 in Kraft trete und deren Ratifikation am vergangenen Freitag im Bundestag beschlossen wurde.

In den Ausführungen zu ihrem zweiten Schwerpunkt, der Partizipation von Frauen an politischen und wirtschaftlichen Prozessen, zeigte Nordmeyer zunächst die Fortschritte auf, die seit dem Preußischen Vereinsgesetz aus den Jahren 1850 bis 1908 erzielt wurden: Es hatte „Frauenspersonen, Geisteskranken, Schülern und Lehrlingen” die Mitgliedschaft und Mitarbeit in politischen Parteien verboten. Selbstverständlich hätten Frauen in Deutschland inzwischen „qualitativ und quantitativ aufgeholt“, zwei wichtige Forderungen des 1. Internationalen Frauentags von 1911 jedoch seien bis heute nicht erfüllt: Die Festsetzung von Mindestlöhnen stehe noch aus, und von „gleichem Geld für gleichwertige Arbeit“ könne weiterhin keine Rede sein. Noch gebe es allzu viele Zuverdienerinnen, noch leisteten zu viele unbezahlte Haus-, Erziehungs- oder Pflegearbeit und litten unter den entsprechen Folgen für ihre Alterssicherung. Das geltende Scheidungsrecht stelle eine große Hürde für Mütter kleiner Kinder dar, und nach wie vor würden zu viele Arbeitsverträge befristet: „Armut bekommt zunehmend ein weibliches Gesicht – auch in Deutschland.“