Nurdan-Eker-Haus: Arbeiterwohlfahrt benennt Frauenhaus nach ermordeter Wiesbadenerin

Quelle: Wiesbadener Kurier

Nurdan-Eker-Haus: Arbeiterwohlfahrt benennt Frauenhaus nach ermordeter Wiesbadenerin

Kein einziger Ton war im gefüllten Festsaal des Rathauses zu vernehmen, nur das leise Schluchzen einer tieftraurigen Mutter. Emine Eker stand vor dem gerade enthüllten Porträtfoto ihrer 2009 in Wiesbaden ermordeten Tochter Nurdan und strich mit zittriger Hand zärtlich über das Bild. Daneben stand das Schild mit dem Schriftzug „Nurdan-Eker-Haus“, das ebenfalls auf einer Staffelei angebracht war. „Heute bin ich sehr traurig, aber auch glücklich. Ich danke, danke Ihnen allen“, sagte Emine Eker (58), die bei ihrer kurzen Ansprache auf Türkisch gestützt werden musste.

Mit der Feierstunde im Rathaus, unter anderem mit Grußworten von Oberbürgermeister und Schirmherr Sven Gerich sowie dem türkischen Generalkonsul Ufuk Ekici, benannte die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ihr Frauenhaus nach Nurdan Eker. Sie hatte aus Angst vor ihrem gewalttätigen Ehemann, dem späteren Mörder, zusammen mit ihren beiden Töchtern Schutz im AWO-Frauenhaus gesucht. Der Mord mit 56 Messerstichen geschah, nachdem die 31-Jährige wieder aus dem Frauenhaus ausgezogen war. Die Töchter Seyda (17) und Damla (15) wohnten der Feierstunde bei, gemeinsam mit ihrer Oma Emine waren sie aus der türkischen Stadt Sivas angereist, wo sie seit der Tat zu dritt leben. Der leibliche Vater der Kinder war früh verstorben.

„Zeichen für die Opfer“

„Dies ist natürlich ein schwerer Tag für Sie, Emine. Aber es ist auch ein Tag des Aufbruchs. Wir wollen heute das Netzwerk der Förderer noch enger knüpfen. Und Sie aus Solidarität weiterhin unterstützen, den Traum von Nurdan zu verwirklichen: Die Kinder sollen eine gute Ausbildung erhalten“, versprach AWO-Geschäftsführerin Hannelore Richter. Mit der Namensgebung wolle die AWO einer starken Frau gedenken, ihr ein Gesicht geben. Die AWO initiierte nach dem Mord die Spendenaktion für die Kinder. Seitdem hat sich ein Wiesbadener Bündnis zusammengefunden, das die Familie finanziell unterstützt.

„Unsere Hilfe ist auch ein Zeichen für Opfer, und damit ein Zeichen gegen Täter. Das Zeichen heißt: Wir lassen euch Opfer nicht im Stich. Auch wenn sie aus der medialen Wahrnehmung verschwunden sind!“, sagte Wolfgang Degen, Redakteur dieser Zeitung, in seiner bewegenden Festrede, die er lieber „Erinnerung“ nennen wollte.

Degen erzählte von dem Treffen mit Nurdan vor ihrem gewaltsamen Tod, es ging um eine Geschichte über häusliche Gewalt: „Ich hatte keine Zweifel, sie könnte ihren Weg finden.“ Nach dem Mord berichtete er intensiv über die Gerichtsverhandlung. Degen hob bei seiner Rede auch das Engagement des Polizeipräsidenten Robert Schäfer hervor: „Sie sind ein unermüdlicher Motor, der immer fragt: Was können wir tun?“

Melancholische Klänge

Die Veranstaltung, begleitet mit melancholischen Klängen des türkischen Duos aus dem „Musikhaus Westend“, rührte viele Gäste zu Tränen. „Irgendwie fühle ich mich komisch“, meinte Seyda später. „Ich weine nicht gern in der Öffentlichkeit“, sagte Damla. Beim anschließenden Essen wirkten sie dann gelöster, als sie etwa mit Ex-Schulfreunden aus der IGS Kastellstraße spaßten. So endete ein Abend, der traurig begonnen hatte, mit Zuversicht. Zuversicht, dass die beiden es schaffen könnten.

Spendenkonto und Förderer

Das AWO-Spendenkonto für Seyda und Damla, die Töchter von Nurdan Eker, lautet:

Kontoinhaber:
AWO KV Wiesbaden e.V.,
Nassauische Sparkasse
Konto 100 002 574
BLZ 510 500 15

Zum Wiesbadener Bündnis der Förderer gehören die Awo, das Polizeipräsidium Westhessen, die Gesellschaft für Bürger und Polizei, die IGS Kastellstraße, das türkische Generalkonsulat in Frankfurt und „Ihnen leuchtet einLicht“, die Benefizaktion dieser Zeitung.


Benennung Eker

Stützten Emine Eker bei ihrer Rede: Hannelore Richter, AWO-Geschäftsführerin, und die Migrationsbeauftragte der Polizei Westhessen, Hauptkommissarin Döndü Yazgan, die aus dem Türkischen übersetzte und regelmäßig Kontakt zu den Kindern der Ermordeten hält.
Foto: RMB / Heiko Kubenka

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