„Nicht reagieren, sondern die Dinge selbst voranbringen“

Quelle: Main-Rheiner

„Nicht reagieren, sondern die Dinge selbst voranbringen“

AWO-Geschäftsführerin Hannelore Richter verbindet in ihrem Beruf seit 25 Jahren politisches und soziales Engagement

WIESBADEN. Schwache und Benachteiligte haben in Hannelore Richter eine engagierte Fürsprecherin. Seit 1984 ist sie beruflich für die Arbeiterwohlfahrt Wiesbaden (AWO) tätig, seit 1999 als Geschäftsführerin des Kreisverbandes. Auch wenn ihre Aufgabe, bei ständiger Verknappung des finanziellen Ressourcen trotzdem qualitativ hochwertige Leistungen anzubieten, sie voll in Anspruch nimmt, findet sie immer noch Zeit für ehrenamtliches Engagement.

Früh politisch aktiv

Hannelore Richter war schon früh politisch aktiv. Die 1959 geborene Wiesbadenerin ist SPD- und Gewerkschafts-Mitglied und engagiert sich bis heute bei der SJD. Noch vor ihrem beruflichen Einstieg wurde sie AWO-Mitglied und übernahm direkt Vorstandsaufgaben. Die AWO als Arbeitgeber ist für Richter aber nicht nur aus ihrer sozialpolitischen Tradition heraus bis heute erste Wahl. „Der Verband engagiert sich und arbeitet daran, Dinge zu verbessern“, stellt sie heraus, dass ihr auch im Beruf politisches Engagement wichtig ist.

Kämpferisch

Wie kämpferisch sie dabei werden kann, mussten SPD-Bundespolitiker erleben, als sie sich erfolgreich gegen Streichungen beim Taschen- und Weihnachtsgeld für Heimbewohner gewehrt hat. Dabei war für sie die Unterstützung aus der Bevölkerung noch wichtiger als das Einlenken der Parteigranden. „Es war ermutigend, die zahlreichen Reaktionen der Wiesbadener Bevölkerung zu erleben, etwa wenn Bürger Patenschaften für Heimbewohner übernommen haben“, erinnert sich Richter. Dabei ist die examinierte Altenpflegerin und Sozialbetriebswirtin keine Einzelkämpferin. „Einer allein ist ja nichts“, schätzt sie die gute Zusammenarbeit mit dem Kreisverband und das Engagement ihres Mitarbeiterteams. Beides ist für ihre tägliche Arbeit unverzichtbar, denn die Entwicklungen, die auf die Gesellschaft zukämen, seien gewaltig. Zum einen hätten die Träger sozialer und pflegerischer Arbeit mit knapper werdenden Finanzen zu kämpfen, zum anderen müsse aber auch die Attraktivität der Pflege- und Sozialberufe gesteigert werden, damit die wachsende Zahl demenziell Erkrankter auch kompetent betreut werden könne, so Richter.
„Wir dürfen nicht nur reagieren, sondern müssen Dinge selbst voranbringen“, sucht sie ständig nach neuen Ideen und Konzepten. So wird beispielsweise das neue AWO-Pflegeheim in Bierstadt mit Einzelzimmern geplant, die das Bedürfnis der Bewohner nach Individualität berücksichtigen. Um solche Konzepte wirtschaftlich umsetzen zu können, überlegt Richter, wie etwa Angehörige der Ehrenamtlichen besser einbezogen werden könnten. Da für solche Projekte, aber auch für den Kampf mit den Regularien, insbesondere kleineren Unternehmen oft die Manpower fehle, hat sie gemeinsam mit der AWO-Frankfurt 2003 die Unternehmensberatung Social-Management-Consult Somacon ins Leben gerufen, in der sie Unternehmen am Pflege- und Sozialbereich berät und bei der konkreten Umsetzung hilft.
So kooperativ sich Richter für Schwache und Benachteiligte einsetzt, so rigoros lehnt sie rechtes Gedankengut ab. Mit ihrer Aktionsgruppe gegen Rechts ist sie überall da zur Stelle, wo rechte Gruppierungen auftreten wollen, etwa mit einer Gegendemonstration.
„Wenn im Restaurant braune Parolen gedroschen werden, sage ich den Leuten, was für einen Schwachsinn sie reden“, wirbt Richter für beherztes Engagement.

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