Die Mutter der Ermordeten leidet bis heute

Quelle: Wiesbadener Kurier

Die Mutter der Ermordeten leidet bis heute

30.09.2013 SIVAS
Von Erdal Aslan (Quelle: Wiesbadener Kurier)

Emine Eker nickt immer wieder nachdenklich, während sie in der bescheiden eingerichteten Küche erzählt und weint. „Ich habe zwar keine Schule besucht, aber ich bin durch die Schule des Lebens gegangen“, sagt sie mit gesenktem Blick. Vier Jahre nach der Tragödie um ihre Tochter Nurdan Eker sind die Narben nicht verheilt. „Sie werden es auch nie ganz, aber Gott gibt mir Geduld.“ Emine will sprechen, ihr Herz ausschütten. Sie erinnert sich an das letzte Telefonat mit Nurdan und den schweren Gang vor Gericht. Das Gespräch findet ohne die Enkelkinder statt, sie schauen derweil fern im Wohnzimmer. In Anwesenheit von Seyda und Damla könne Emine auch nicht erzählen oder trauern, weil sie ungern an das Geschehene erinnert werden.

„Ich lebe nur noch für die zwei Mädels. Sie sollen eine gute Ausbildung erhalten und für sich selbst sorgen können. Das ist mein einziger Wunsch“, sagt Emine. Zu dritt leben sie seit dem Mord an Nurdan Eker in einer schlichten Wohnung in einem schmucklosen Viertel von Sivas, kommen gerade so über die Runden. „Ich weiß gar nicht, wie ich all den tollen Menschen aus Wiesbaden danken soll, dass sie uns weiterhin unterstützen“, sagt sie mit Tränen in den Augen.

Je 550 türkische Lira monatlich (etwa 200 Euro) erhalten die beiden Waisenkinder bis zu ihrem 18. Lebensjahr vom Staat (der leibliche Vater ist früh an Krebs gestorben). 450 Lira kostet die Miete der Wohnung. „Wir müssen sie bald verlassen, weil die Eltern des Vermieters hier einziehen werden“, berichtet Emine. Sie wisse noch nicht, wie sie den Umzug bezahlen werde. Emine selbst bezieht keine Rente. „Und unsere Verwandten hier in Sivas können uns nicht wirklich finanziell unter die Arme greifen.“

Der Mörder ist ihr Stiefsohn

Von ihrem getrennt lebenden Ehemann erhält sie keinen Unterhalt, der Prozess währt seit geraumer Zeit. Ihr Ehemann ist der Vater des Mörders. Emine hatte damals die Ehe mit dem Stiefsohn mitarrangiert, damit das Gerede um die alleinerziehende Tochter ein Ende erfährt und sie in geregelten Verhältnissen lebt – eine weitere traurige Bürde für Emine, die sie mit sich schleppt. Seit dem Mord haben Emine und ihr Ehemann ihre Wohnungen getrennt.

„Da die Familie der Bestie hier in der Nachbarschaft lebt, treffen wir manchmal auf sie“, erzählt Emine weiter. So werden sie fortwährend mit dem Geschehenen konfrontiert. Zu ein, zwei Mitgliedern dieser Familie habe sie hin und wieder Kontakt. „Sie akzeptieren seine Schuld, alle anderen sind von seiner Unschuld überzeugt“, sagt sie kopfschüttelnd. Dann stellt sie vor dem Abschied zaghaft eine Frage: „Kommt der Mörder eigentlich noch mal raus?“ Er wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe – also mindestens 15 Jahren – verurteilt. Dass er nochmal auf freien Fuß kommen könnte, macht Emine Sorgen. „Er wird sich rächen wollen.“ Aber hoffentlich werde Gott ihnen helfen.

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