Betreiber geben sich gelassen

Quelle: Wiesbadener Tagblatt vom 21.07.2009

Betreiber geben sich gelassen

PFLEGE-TÜV Medizinischer Dienst in Altenheimen

Wiesbaden. Offiziell geben sich die Betreiber der Wiesbadener Altenheime gelassen. Nur Sigrid Burret, Leiterin der Einrichtung Dr. Drexler GmbH in der Parkstraße, gibt angesichts des zweitägigen Pflege-TÜVs des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) offen zu: „Was ist, wenn sie uns an einem schlechten Tag erwischen?“ Andere Kollegen sorgen sich eher um die Gewichtung der 64 Einzelpunkte. Können also null Punkte für unbehandelte Druckgeschwüre etwa mit zehn Punkten für Erste-Hilfe-Kurse ausgeglichen werden? Auch befürchten einige Heimleiter, dass die Bevölkerung „aus den Noten die falschen Schlüsse zieht“. Hinzu kommt der Unmut wegen des ohnehin hohen bürokratischen Aufwands. Ob das Glas Wasser gereicht oder eine kurze Unterhaltung geführt wird: Auch kleine Gesten müssen Pfleger und Betreuer akribisch dokumentieren. Zehn Minuten für einen Bewohner pro Tag gehen allein für die Leistungserfassung drauf, rechnet Michael Klas vor. Der Geschäftsführer der Katholischen Altenwohn- und Pflegegesellschaft mbH (KAPG): „Bei 80 Bewohnern kommen täglich ein paar Stunden zusammen.“ Doch die Konsequenz, mehr Personal einzustellen, so kritisiert Klas, werde nicht gezogen. Und steht die Prüfung des MDK ins Haus, müssen für die Inspektion erneut Mitarbeiter abgestellt werden. Friedhelm Schrey, Geschäftsführer des Bereichs Altenpflege bei Evim (Evangelischer Verein für Innere Mission in Naussau), ist überzeugt: „Wahre Qualität ist in kein Heim hineinzukontrollieren.“ Regeln und Gesetze gebe es bereits genug. Durchaus „legitim“ hält Ute Büchler die nebenbei gesetzlich verankerte Überprüfung. Die Einrichtungsleiterin des Kapellenstifts sei den Umgang mit Zertifizierungen seit ihrer Tätigkeit in Kliniken gewohnt und fragt: „Warum soll ein Prüfsystem nicht auch im Pflegebereich angewendet werden?“ Beatrice Remmert, Heimleiterin vom Robert-Krekel-Haus ergänzt: „Eine Überprüfung in einer öffentlichen Einrichtung, wie einem Pflegeheim, ist ganz normal. Schließlich zahlt der Arbeitnehmer in die Pflegeversicherung auch ein.“

MEDIZINISCHER DIENST

  • Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung in Hessen (MDK Hessen) ist im Auftrag der Kranken- und Pflegekassen sowie ihrer Verbände tätig. Die Hauptaufgaben der Körperschaft des öffentlichen Rechts auf Grundlage des Sozialgesetzbuches sind Begutachtung von Versicherten, Qualitätsprüfung in Versorgungseinrichtungen, Beratung zu Grundsatz- und Versorgungsfragen und Fortbildung bei Sozialleistungsträgern.
  • Der MDK wird ausschließlich von den Kranken- und Pflegekassen zu je 50 Prozent über eine Umlage bezahlt.

Zurück zur Übersicht der Presseberichte 2009

Diese Website benutzt Cookies, um optimal auf ihre Besucher eingehen zu können. Wenn Sie die Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.